| — | Arabisches Sprichwort |
Für das Buch “Kollektive Identitäten im Nahen und Mittleren Osten: Studien zum Verhältnis von Staat und Religion” habe ich mit Maximilian Felsch den Aufsatz über die Identitätskonstruktion der ägyptischen Muslimbrüder geschrieben.
Ich besuche gerade einen Arabisch-Intensivkurs am Landsspracheninstitut Bochum. Wir Sprachschüler unterhalten uns natürlich viel über die arabische Welt, erzählen uns Anekdoten von unseren Reisen. Dabei ist mir ein kleines interkulturelles Missgeschick wieder eingefallen, dass mir während meines ersten Ägyptenaufenthaltes passiert ist.
Ich war gerade in Kairo angekommen. Eine Freundin aus Münster hatte mich in Empfang genommen. Sie nahm mich zu einem Treffen mit einigen ägyptischen Freunden mit: Alles junge Männer, die in Texas studiert und danach in Kairo ein offenbar gut laufendes Reisebüro aufgebaut hatten. Sie waren weltgewandt und auf Spaß aus – in ihrem Büro wurde als erstes ein Joint angezündet.
Später saßen wir in einem Café und fingen an, der Reihe nach Witze zu erzählen. Ich kann mir nicht gut Witze merken, aber drei habe ich mir eingeprägt. Wenn ich in die Verlegenheit komme, packe ich einen von ihnen aus – oft folgen dann auch die anderen zwei – und erzähle ihn sehr ausgeschmückt und lebendig.
Nun muss Super-Man das Arschloch spielen
Als ich dran war, erzählte ich meinen Jesus-Witz. Ich hatte noch überlegt, ob ich das wirklich tun sollte. Die Jungs waren zwar Muslime, aber auch im Islam ist Jesus eine wichtige Figur, ein bedeutender Prophet. Und in dem Witz wird er als Arschloch dargestellt und auch bezeichnet. Ich hatte also Bedenken, aber gleichzeitig hat es mich wahnsinnig interessiert, wie diese lustigen Jungs reagieren würden. Also legte ich los.
Niemand hat über die Pointe gelacht. Ich erntete eisiges Schweigen, das nur kurz gebrochen wurde, um mich auf die Bedeutung Jesus’ für den Islam hinzuweisen. Die Runde löste sich schnell auf, die Jungs habe ich nie wiedergesehen.
Wenn ich in der arabischen Welt diesen Witz erzähle, tausche ich seitdem Jesus gegen Super-Man aus.
Wenig später trat die dänische Jyllands Posten mit Muhammed-Zeichnungen den Karikaturenkonflikt los. Über den habe ich meinen ersten Text für sueddeutsche.de geschrieben.
Dieses Bild, das ich in der Ibn-Tulun-Moschee in Kairo geschossen habe, ist auf Spiegel Online erschienen.

Ein Text, den ich Anfang 2006 für sueddeutsche.de geschrieben habe. Damals habe ich in Kairo gewohnt und den Konflikt beobachtet, der wegen dänischer Muhammad-Karikaturen ausgebrochen war.



